Iberische Pferde in der deutschen Reitszene: Beliebtheit und Zucht
Iberische Pferde faszinieren – das spürt man in deutschen Reithallen, auf Turnieren und auf Social Media immer deutlicher. Was einst eine Nische für Kenner klassischer Reitkunst war, hat sich zu einer ernstzunehmenden Bewegung entwickelt: PRE und Lusitano gehören heute zu den begehrtesten Pferderassen in Deutschland.
Eine Rasse mit Geschichte
Der Pura Raza Española – kurz PRE – und der Lusitano teilen eine gemeinsame Wurzel. Beide entstammen der iberischen Halbinsel, beide wurden über Jahrhunderte für Hofzeremonien, Kriegsdienst und die haute école ausgebildet. Bis 1967 wurden sie im selben Stutbuch geführt, danach trennten sich die Zuchtlinien: Spanien behielt den PRE, Portugal züchtete seinen Lusitano fortan eigenständig.
Was beide verbindet, ist eine Kombination aus Temperament, Kooperationsbereitschaft und einer natürlichen Versammlung, die für klassische Dressur und Barockreiten nahezu ideal ist. Diese Pferde wurden nicht auf Geschwindigkeit oder Sprungvermögen hin gezüchtet – sondern auf das Zusammenspiel mit dem Menschen.
Warum iberische Pferde in Deutschland so beliebt werden
Die klassische Reitkunst erlebt seit Jahren eine Renaissance. Immer mehr Reiter wenden sich von sportorientierter Dressur ab und suchen nach einem tieferen, partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd. Genau hier treffen iberische Rassen einen Nerv.
PRE und Lusitano reagieren sensibel auf feine Hilfen, sie lernen schnell und sind von Natur aus neugierig. Ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich – sie erfordert einen aufmerksamen, geduldigen Reiter. Genau das macht sie so lehrreich. Wer mit einem Lusitano arbeitet, wird als Reiter besser.
Dazu kommt das Äußere: der gewölbte Hals, die ausdrucksstarken Augen, das anmutige Gangwerk. In barockem Zaumzeug oder bei einer Quadrille entfalten diese Pferde eine Wirkung, die schlicht atemberaubend ist.
PRE Zucht in Deutschland – was Käufer wissen sollten
Die PRE Zucht hat sich auch außerhalb Spaniens etabliert. In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere seriöse Züchter, die unter Aufsicht der ANCCE (dem spanischen Zuchtverband) arbeiten und echte Papiere liefern können. Das ist entscheidend – denn nur ein Pferd mit gültigem ANCCE-Zuchtbuch gilt offiziell als Pura Raza Española.
Beim Kauf eines PRE sollte man auf folgende Punkte achten:
- Abstammungsnachweis (DNA-Karte) – unverzichtbar für echte PRE
- Microchip und Equidenpass – EU-weit Pflicht
- Besichtigung beim Züchter – Haltungsbedingungen und Sozialverhalten des Muttertieres sagen viel aus
- Bewegungsvideos über mehrere Monate** – um Entwicklung und Charakter beurteilen zu können
Wer einen Lusitano kaufen möchte, sucht häufig gezielt nach portugiesischen Zuchtlinien. Lusitanos gelten als etwas temperamentvoller als PRE, oft mit stärkerem Vorwärtsdrang – was sie besonders für Arbeitsreiterei und die iberische Schularbeit interessant macht.
Preise und Markt
Iberische Pferde Deutschland sind kein Schnäppchensegment. Ein gut ausgebildeter, papierkorrekter PRE kostet zwischen 8.000 und 30.000 Euro – je nach Alter, Ausbildungsstand und Abstammung. Top-Hengste aus renommierten spanischen Gestüten überschreiten diese Grenze deutlich. Der Markt ist gewachsen, aber qualifizierte Pferde bleiben gefragt.
Wer mit begrenztem Budget einsteigt, findet gelegentlich junge, unangerittene Pferde aus deutschen Zuchten – eine spannende Option für erfahrene Ausbilder, die von Anfang an mitgestalten wollen.
Ausbildung: Klassisch oder modern?
Iberische Pferde werden am besten mit klassischen Methoden ausgebildet. Das bedeutet: konsequente Arbeit an der Hand, geerdete Longierarbeit, sanfter Aufbau der Versammlung ohne Zwang. Viele Fehler entstehen, wenn man diese Pferde mit denselben Methoden angeht wie ein modernes Sportpferd.
Die Schulen der klassischen Reitkunst, wie sie im Barockreiten gepflegt werden, sind für PRE und Lusitano keine aufgesetzte Ästhetik – sie entsprechen der natürlichen Biomechanik dieser Rassen. Schulhalt, Schulterherein, Piaffe: Dinge, für die andere Pferde jahre lang konditioniert werden müssen, kommen bei iberischen Rassen häufig fast wie von selbst – vorausgesetzt, die Basis stimmt.
Ein Trend mit Substanz
Die Beliebtheit iberischer Pferde in Deutschland ist kein kurzlebiger Trend. Sie wurzelt in einem echten Wandel im Reiterdenken – weg vom reinen Leistungsdenken, hin zu einem harmonischen, respektvollem Miteinander zwischen Pferd und Mensch. PRE und Lusitano sind dabei keine Trendpferde, sondern Botschafter einer jahrtausendealten Reitkultur.
Wer einmal mit einem Lusitano oder PRE gearbeitet hat, versteht warum.