Barocksattel und Zaumzeug: Die richtige Ausrüstung für das Barockreiten
Wer sich dem Barockreiten widmet, begibt sich auf eine Reise in eine Welt voller Handwerkskunst, Geschichte und feiner ästhetischer Ansprüche. Die Ausrüstung spielt dabei eine tragende Rolle – nicht nur optisch, sondern vor allem in ihrer Funktion für eine harmonische, tiefe Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Der richtige Barocksattel, ein passendes Zaumzeug und eine stimmige Reitbekleidung sind kein bloßer Schmuck, sondern unverzichtbare Werkzeuge dieser alten Kunst.
Der Barocksattel – Mehr als nur Optik
Im Mittelpunkt der Ausrüstung steht der Barocksattel. Er unterscheidet sich grundlegend vom modernen Dressur- oder Springsattel: Hohe Vor- und Hinterzwiesel, ein tiefer Sitz und meist samtbedeckte oder lederbestückte Pauschen geben dem Reiter Halt und vermitteln gleichzeitig das optische Bild vergangener Epochen.
Der Barocksattel wurde ursprünglich für die Arbeit in der hohen Schule entwickelt – für Lektionen wie Piaffe, Passage und die Schulsprünge. Der tiefe Dreigelenksitz stabilisiert den Reiter und lässt ihn auch in dynamischen Momenten ruhig und aufrecht sitzen. Das ist kein Zufall: Die Konstruktion spiegelt ein tiefes Verständnis für Biomechanik und Gewichtsverteilung wider, das schon François Robichon de la Guérinière im 18. Jahrhundert lehrte.
Worauf beim Kauf achten?
Ein guter Barocksattel muss perfekt auf den individuellen Rücken des Pferdes angepasst sein. Besonders bei Barockrassen wie Lusitanos, Lipizzanern oder PRE-Pferden mit ihrer charakteristischen Körperform ist eine professionelle Sattelanpassung unerlässlich. Ein schlechtsitzender Sattel beeinträchtigt nicht nur die Gesundheit des Pferdes, sondern macht eine korrekte Einwirkung des Reiters schlicht unmöglich.
Neben der Passform sind Materialqualität und Verarbeitung entscheidend. Hochwertiges Leder, solide Metallbeschläge und sorgfältige Nähte zeichnen einen langlebigen Barocksattel aus. Wer auf historische Authentizität Wert legt, findet Sättel mit Samtbesatz oder Stickereien – für Vorführungen und festliche Anlässe ein echter Blickfang.
Barock Zaumzeug – Tradition trifft Präzision
Das Zaumzeug im Barockreiten unterscheidet sich ebenfalls deutlich von jenem moderner Reitdisziplinen. Kein anderes Element signalisiert die Tiefe der Ausbildung so klar wie die gewählte Gebissform.
Die Kandare
Das Herzstück des barocken Zaumzeugs ist die Kandare. Sie ist ein unverzweigtes Hebelgebiss mit starker Wirkung – bereits kleinste Handbewegungen des Reiters werden vom Pferd deutlich wahrgenommen. Die Kandare wirkt auf Maul, Unterkiefer und über den Hebel auch auf den Nacken des Pferdes.
Das bedeutet: Sie gehört ausschließlich in die Hände erfahrener Reiter mit weichen, feinen Einwirkungen. Im klassisch-barocken Kontext wird die Kandare nicht als Machtinstrument, sondern als Dialog eingesetzt – das Pferd soll auf flüsterleise Hilfen reagieren, nicht auf Druck. Bis zum 18. Jahrhundert ritt man ohne Trensenzaum darunter; der Kandarenzaum mit Unterlegtrense ist eine spätere Entwicklung.
Optisch unterscheidet sich der barocke Kandarenzaum vom englischen Pendant durch seine reichhaltige Verzierung: Ziernieten, Stickereien, Messingbeschläge oder feine Stickereien in Leder sind typische Merkmale.
Vom Trensenzaum zur Kavesson
Pferde in frühen Ausbildungsstadien werden im Barockreiten zunächst an der Kavesson oder an der Trense gearbeitet. Die Kavesson – ein gepolstertes Nasengestell – ermöglicht die Arbeit an der Hand und in der Longe, ohne auf die Sensibilität des Maules Einfluss zu nehmen. Erst wenn das Pferd durch seine Ausbildung ausreichend versammelt, losgelassen und durchlässig ist, kommt das feine Gebiss der Kandare zum Einsatz.
Sonstiges Zubehör
Neben Sattel und Zaumzeug gehören weitere Details zur typischen Barock-Ausrüstung:
- Satteldecke und Schabracke: Üblicherweise in gedeckten Farben – Schwarz, Dunkelblau, Burgund oder Weinrot – oft mit goldenen oder silbernen Stickereien verziert.
- Steigbügel: Barocke Steigbügel sind häufig breiter und massiver als moderne Varianten; geschlossene Mandelformen aus Metall sind historisch authentisch.
- Zügel: Lederriemen mit Stichnaht oder Rollschnallen, die dem gesamten Zaumzeug ein stimmiges Bild verleihen.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) empfiehlt grundsätzlich, auf den Pferdeschutz bei der Auswahl aller Ausrüstung zu achten – das gilt natürlich auch im Barockreiten.
Reitbekleidung im Barockstil
Die Kleidung des Barockreiters ist kein Kostüm, sondern Ausdruck einer Haltung. Gedeckte Farben dominieren den Alltag: Schwarz, Dunkelgrün, Anthrazit oder Braun, kombiniert mit weißen Hemden oder Jabot-Blusen, schaffen ein zeitloses Bild voller Würde.
Typische Elemente
- Jacke oder Wams: Eng geschnittene Jacken in historisch inspirierten Schnitten, häufig mit kleinen Metallknöpfen oder diskreten Ziernähten.
- Reithose: Klassische helle oder schwarze Reithose aus Leder oder einem festen Gewebe, oft mit Vollbesatz.
- Stiefel: Kniehohe Reitstiefel aus Leder, glatt oder leicht glänzend poliert – kein Platz für buntes Sportschuhwerk.
- Kopfbedeckung: Traditionell ein breitkrempiger Hut (Cordoba-Hut) oder Dreispitz, alternativ ein Reithelm mit Hutoptik für den Alltag.
Zu festlichen Anlässen und Vorführungen wird die Bekleidung üppiger: Samtjacken, Goldstickereien und barocke Reitkostüme nach historischen Vorlagen verwandeln den Viereck in eine Bühne. Frauen wählten in der Barockzeit aufwändig bestückte Amazonen-Kleider – ein Stil, der im historischen Schaureiten bis heute gepflegt wird, wie etwa an der Spanischen Hofreitschule Wien zu bewundern ist.
Qualität vor Quantität
Eine gute Grundausstattung für das Barockreiten ist eine Investition – sowohl finanziell als auch zeitlich, wenn es um das Einreiten des Pferdes geht. Wer billig kauft, kauft oft zweimal: Ein schlecht sitzender Sattel schadet dem Pferd, ein billiges Gebiss in ungeübten Händen richtet mehr Schaden an als Nutzen.
Die Empfehlung lautet stets: Zunächst Rat bei erfahrenen Barockreitern und Sattlern einholen, das Pferd gründlich beurteilen lassen und schrittweise in hochwertiges Material investieren. Das Pferd dankt es mit Losgelassenheit, Vertrauen und der Bereitschaft, sich auf die feinen Hilfen einzulassen – und genau das ist es, worum es im Barockreiten wirklich geht.
Weitere Orientierung bietet auch Pferd Aktuell, das offizielle Portal der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, mit Fachartikeln rund um Ausbildung, Ausrüstung und Pferdehaltung.