Ibarock

Barockreiten in Deutschland: Vereine, Turniere und Veranstaltungen

Die klassische Reitkunst erlebt in Deutschland eine stille Renaissance. Immer mehr Reiterinnen und Reiter entdecken das Barockreiten als Alternative zur modernen Turnierdressur — getragen von einer Leidenschaft für historische Horsemanship, edle Pferderassen und das geduldige Handwerk einer jahrhundertealten Tradition. Doch wie ist die Szene organisiert? Wo findet man Gleichgesinnte, und auf welchen Veranstaltungen wird die klassische Reitkunst lebendig?

Der Dachverband: BfkbR als organisatorisches Fundament

Das Herzstück der deutschen Barockreit-Szene ist der Bundesverband für klassisch-barocke Reiterei Deutschland e.V. (BfkbR), gegründet 2004 und angeschlossen an die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN). Der BfkbR hat sich zum Ziel gesetzt, jene Elemente klassischer Horsemanship zu bewahren und zu fördern, die in den Regelwerken der FEI keinen Platz gefunden haben — darunter die gewichtslose Arbeit an der Longe und Doppellonge, Handarbeit, Schulsprünge der Hohen Schule sowie Seitwärtsgänge und traditionelle iberische und französische Reittechniken.

Der Verband hat ein eigenes, FN-anerkanntes Ausbildungssystem für klassisch-barocke Trainer entwickelt. Seit 2007 werden Trainer C und B ausgebildet, seit 2012 auch Trainer A — ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung der Szene.

Landesverbände als regionale Ankerpunkte

Unter dem Dach des BfkbR agieren Landesverbände in ganz Deutschland. Der Landesverband klassisch-barocke Reiterei Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen gehört zu den aktivsten, ebenso gibt es Verbände in Bayern, Baden-Württemberg und den neuen Bundesländern. Diese regionalen Strukturen sind oft der erste Anlaufpunkt für Einsteiger: Sie vermitteln Trainer, organisieren Lehrgänge und koordinieren lokale Turnierbetrieb.

Turniere und Wettbewerbe

Das Barockturnier unterscheidet sich fundamental vom klassischen Dressurturnier. Bewertet wird nicht nur die technische Korrektheit der Lektionen, sondern auch Kostüm, Gesamterscheinung und die Harmonie zwischen Pferd und Reiter — eine ganzheitliche Betrachtung, die dem historischen Charakter dieser Reitweise gerecht wird.

Staatsmeisterschaften in Verden

Seit 2010 werden die Landesmeisterschaften für klassisch-barocke Reiterei jährlich in Verden (Aller) ausgetragen — der niedersächsischen Reiterstadt, die seit Jahrzehnten als eines der bedeutendsten Zentren des deutschen Pferdesports gilt. Die Staats- und Deutschlandmeisterschaften sind der sportliche Höhepunkt im Barockkalender und ziehen Reiter aus dem gesamten Bundesgebiet an.

Baroque Horse Cup

Seit einigen Jahren etabliert sich der Baroque Horse Cup als attraktive Turnierserie für Barockpferde. Die Serie umfasst mehrere Veranstaltungen im Jahr — aufgeteilt in einen Anfänger-Cup auf A-Niveau und einen Fortgeschrittenen-Cup auf L-Niveau — und endet mit einem großen Finale. Rassen wie Andalusier/PRE, Lusitano, Friese, Berber, Knabstrupper, Warlander und Kladruber dürfen starten. Dieses Format macht Barockturnier auch für Reiter zugänglich, die noch am Anfang ihrer Ausbildung stehen.

Barokpferdefest Stutensee

Das Barockpferdefest des Friedrichstal Reit-, Fahr- und Zuchtclubs in Stutensee bei Karlsruhe ist ein beliebtes Regionalereignis mit Dressurtests für Barockpferde und einem ausgeprägten Schauprogramm. Solche Pferdefeste verbinden Wettbewerb und Publikumsveranstaltung — und sind damit ideal, um Außenstehende für diese Welt zu begeistern.

Schaureiten und kulturelle Veranstaltungen

Neben dem Turnierbetrieb lebt die Szene von Veranstaltungen, bei denen die Reitkunst als Kunst präsentiert wird — ohne Wertungsrichter, dafür mit umso mehr Atmosphäre.

Hofreitschulen als lebendige Bühnen

Die Spanische Hofreitschule in Wien ist das bekannteste Beispiel dafür, wie barocke Reitkunst als kulturelles Erbe gepflegt werden kann. Ihre Vorführungen mit den weißen Lipizzanern ziehen jährlich Tausende Besucher an — und sind für viele der erste Kontakt mit der Welt der Hohen Schule.

In Deutschland nimmt die Fürstliche Hofreitschule Bückeburg eine ähnliche Rolle ein. Seit ihrer Eröffnung 2004 in den historischen Gemäuern des Marstalls zeigt sie regelmäßig Vorführungen klassischer Horsemanship und gilt als kultureller Ankerpunkt der deutschen Barockreit-Szene. Reitkunst-Galas, wie sie auch auf hofreitschule.de angekündigt werden, schaffen eine Bühne zwischen Sport und darstellender Kunst.

Iberische Feste und Themenmärkte

Rund um iberische Pferderassen — Lusitanos, PRE, Andalusier — haben sich in Deutschland außerdem zahlreiche kleinere Feste und Märkte etabliert. Iberian Horse Shows, Haflingertage mit Barockeinlagen oder mittelalterliche Spektakel mit Schaukampf zu Pferd: Das Publikumsinteresse an historisch inspiriertem Reiten ist breit.

Wo findet man Anschluss?

Wer in die Szene einsteigen möchte, findet über den BfkbR einen direkten Zugang zu Trainern, Landesverbänden und Veranstaltungen. Daneben lohnt ein Blick in einschlägige Online-Plattformen, die Turnierkalender für Barockreiten aggregieren, sowie in regionale Reitersportvereine, die zunehmend eigene Barockreit-Gruppen gründen.

Die Szene ist überschaubar, aber lebendig. Und genau das macht ihren Reiz aus: Man kennt sich, man schätzt das gemeinsame Verständnis von Reitkunst als Handwerk und Passion — fernab von Punktetabellen und FEI-Ranglisten. Barockreiten in Deutschland ist mehr als ein Hobby. Es ist eine Haltung.