Barockpferde richtig füttern: Ernährung für optimale Leistung
Wer mit einem Lusitano, Lipizzaner oder PRE durch die Lektionen der Haute École arbeitet, weiß: Diese Pferde sind keine gewöhnlichen Sportpferde. Ihre Körperbau, ihr Temperament und ihre jahrhundertelang verfeinerte Genetik stellen besondere Anforderungen an die Fütterung. Die richtige Barockpferd Ernährung ist dabei kein Luxusproblem – sie entscheidet maßgeblich darüber, wie gesund, ausgeglichen und leistungsbereit ein Pferd wirklich ist.
Was macht Barockpferde ernährungsphysiologisch besonders?
Barockpferde wie der Lusitano, der Andalusier oder der Lipizzaner wurden über Jahrhunderte nicht auf Schnelligkeit oder maximale Muskelvolumen gezüchtet, sondern auf Ausdruck, Geschmeidigkeit und natürliche Versammlung. Das hat Konsequenzen für den Stoffwechsel.
Viele iberische Rassen und deren Verwandte gelten als sogenannte „leichtfuttrige" oder „gute Futterverwerter". Ihr Energiebedarf ist in der Regel geringer als der eines vergleichbar schweren Warmblüters. Gleichzeitig neigen sie bei Überversorgung schnell zu Übergewicht, Cushing-Symptomatik oder anderen Stoffwechselproblemen. Wer einen Lusitano falsch füttert, bemerkt das oft zuerst am Fettpolsterchen am Kamm – ein klassisches Warnsignal.
Raufutter zuerst – immer
Die Basis jeder artgerechten Pferdehaltung ist Raufutter, und das gilt für Barockpferde in besonderem Maß. Gutes Heu in ausreichender Menge (mindestens 1,5 % des Körpergewichts täglich) sollte die Grundlage jeder Futterration bilden. Die Verdauung des Pferdes ist auf kontinuierliche Raufutteraufnahme ausgelegt – der Magen produziert permanent Magensäure, unabhängig davon, ob Futter vorhanden ist.
Stroh als Ergänzung kann sinnvoll sein, insbesondere um das Kauen zu verlängern und die Futteraufnahme zu strecken. Es hat allerdings kaum Nährwert, weshalb die Qualität des Heus nie darunter leiden sollte.
Heuqualität ernst nehmen
Nicht jedes Heu ist gleich. Für den leicht veranlagten Barockpferde-Typ empfiehlt sich:
- Spätes Schnittdatum: Heu aus dem zweiten oder dritten Schnitt ist oft energieärmer und damit besser geeignet
- Niedriger Zuckergehalt: Besonders relevant bei Pferden mit Insulinresistenz oder Cushing-Neigung
- Gute Trocknung: Schimmelfreies, staubfreies Heu schützt die Atemwege und unterstützt die Pferdegesundheit in der klassischen Reitkunst nachhaltig
Im Zweifel lohnt sich eine Heuanalyse, um den tatsächlichen Nährstoff- und Energiegehalt zu kennen.
Kraftfutter: Weniger ist mehr
Hier liegt einer der häufigsten Fehler bei der Fütterung von Barockpferden. Viele Reiter greifen zu Kraftfutter-Mengen, die für Turnierpferde mit hohem Trainingspensum gedacht sind. Ein Lusitano, der dreimal pro Woche 45 Minuten klassische Arbeit leistet, braucht in aller Regel kein hochenergetisches Müsli.
Wenn Kraftfutter eingesetzt wird, sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Getreidearme oder getreidfreie Mischungen bevorzugen – Mais und Weizen sind besonders problematisch
- Kleinere Portionen, niemals mehr als 1 kg Kraftfutter pro Mahlzeit
- Timing: Immer erst Heu, dann Kraftfutter – nie umgekehrt
- Regelmäßigkeit: Feste Fütterungszeiten reduzieren Stress und Magenprobleme
Für Pferde in leichter bis mittlerer Arbeit reicht oft ein hochwertiges Mineralfutter in Kombination mit Heu völlig aus.
Mineralien und Spurenelemente: Der oft unterschätzte Faktor
Heu allein deckt den Bedarf an Mineralstoffen selten vollständig – gerade bei Böden mit regionalen Mangelerscheinungen. Magnesium, Selen, Zink und Vitamin E sind bei Sportpferden in der Haute École besonders relevant, denn sie unterstützen Muskelregeneration, Nervenfunction und die allgemeine Vitalität.
Ein hochwertiges Mineralfutter oder Pellets, gezielt auf den Raufutterbedarf abgestimmt, ist für die meisten Barockpferde die sinnvollste Ergänzung. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung empfiehlt, die Fütterung grundsätzlich am tatsächlichen Bedarf des Pferdes zu orientieren – und nicht pauschal nach Schema F vorzugehen.
Salzleckstein nicht vergessen
Natrium ist lebenswichtig und wird über Schweiß verloren. Ein freier Zugang zu einem einfachen Salzleckstein sollte selbstverständlich sein.
Wasser: Die unterschätzte Grundlage
Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein – mindestens 30–50 Liter am Tag braucht ein durchschnittlich großes Pferd, im Sommer oder nach intensiver Arbeit deutlich mehr. Wer das vernachlässigt, riskiert Koliken und Leistungseinbrüche, die kein Kraftfutter der Welt kompensieren kann.
Fütterung und Training aufeinander abstimmen
Bei der Arbeit in der klassischen Reitkunst wird der Rumpf des Pferdes intensiv beansprucht – Versammlung, Piaffe, Passage und die vorbereitenden Lektionen stellen hohe koordinative und muskuläre Anforderungen. Deshalb gilt:
- Mindestens eine Stunde zwischen letzter Kraftfuttermahlzeit und Training
- Nach anstrengender Arbeit zunächst Abkühlen, dann Heu anbieten
- Bei täglichem intensivem Training den Energiebedarf regelmäßig überprüfen und anpassen
Gewicht im Blick behalten
Das Körpergewicht und der Body Condition Score (BCS) sollten regelmäßig beurteilt werden. Bei Barockpferden liegt das Idealgewicht oft niedriger, als man denkt – ein gut bemuskelte, aber schlanker Lusitano ist leistungsfähiger als ein wohlgenährtes Exemplar mit Fettkamm.
Ein simples Maßband am Brustkorb reicht für eine grobe Gewichtsschätzung. Wer ein Auge für seinen Barockpartner entwickelt, lernt schnell, wann die Ration angepasst werden muss.
Eine durchdachte Barockpferd Ernährung ist keine Wissenschaft, die nur Spezialisten vorbehalten ist. Sie beginnt mit gutem Heu, einem wachen Blick für das eigene Pferd und dem Mut, Kraftfutter zu reduzieren, wo es nicht gebraucht wird. Wer seinen Lusitano richtig füttert, wird den Unterschied im Sattel spüren – in der Geschmeidigkeit, der Energie und der Freude an der Arbeit.